VSI - Verband Schmierstoff Industrie e.V.

EU-Chemikalienpolitik ("REACH")

Am  1. Juni 2007 ist die Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, das EU-Chemikalienrecht, genannt "REACH"  (Regsistration , Evaluation and Authorisation of Chemicals) in Kraft getreten.

Zielsetzung von REACH ist es, alle Chemikalien, die in der EU in Mengen größer als 1 Tonne/Jahr umfassend auf ihre Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt zu untersuchen. Man erhofft sich hiervon einen verbesserten Schutz von Mensch und Umwelt.

 

Vereinfachte Leitlinien für die Kommunikation über Identifizierte Verwendungen in der Lieferkette

Aufgrund der REACH-Gesetzgebung (EG 1907/2006) muss jeder Hersteller oder Importeur von chemischen Stoffen seine Stoffe zu einem bestimmten Termin registrieren (Dez. 2010, Juni 2013 oder Juni 2018). Registrieren bedeutet, den betreffenden Stoff auf Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt zu testen. Wenn der Stoff (aufgrund von Testdaten) als gefährlich eingestuft wird, muss das Registrierungsdossier zusätzlich eine Risikobewertung für Mensch und Umwelt beinhalten. Diese Risikobewertung muss Identifizierte Verwendungen des Stoffs sowie ihre Entsorgung als Abfall berücksichtigen, um eine sichere Handhabung zu gewährleisten.

Teil des Risikobewertungsprozesses ist die Erstellung eines Expositionsszenariums (ES) für jede Identifizierte Verwendung, wobei die unterschiedlichen Lebenszyklusphasen (Herstellung, Verwendung, Entsorgung) behandelt werden müssen. Im ES wird beschrieben, inwiefern der Mensch und die Umwelt dem chemischen Stoff ausgesetzt werden könnten und wie diese Exposition durch angemessene Verwendungsbedingungen („Operational Conditions“, OC) und Risikomanagementmaßnahmen (RMM) kontrolliert werden kann. In den OCs ist festgelegt, wie der Stoff verwendet werden muss und dem RMM kann entnommen werden, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen, um sicher mit dem Stoff umzugehen.

Das Erweiterte Sicherheitsdatenblatt (eSDB), das dem Nutzer zur Verfügung gestellt wird, enthält eine Zusammenfassung des ES.

REACH erlaubt Nachgeschalteten Anwendern (diejenigen, die den Stoff verwenden, „Downstream User“, DU), ihre Lieferanten über die Verwendung des chemischen Stoffes / des Produktes zu informieren, damit diese in das Registrierungsdossier aufgenommen werden kann. Diese werden bei REACH „Identifizierte Verwendungen“ genannt (z. B. Verwendung des Stoffes in einem Schmierstoff oder gar speziell in einem Hydrauliköl). Wenn der Lieferant diese Verwendung unterstützt, ist er verpflichtet, für jeden gefährlichen Stoff ein entsprechendes ES zur Verfügung zu stellen.

Wenn ein DU den Lieferanten jedoch nicht über seine Verwendung des Stoffes informieren möchte, muss er für seine Akten ein eigenes ES erstellen und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) informieren.

Nach den von der ECHA veröffentlichten Leitlinien (http://echa.europa.eu/de/guidance-documents/guidance-on-reach) kann die Verwendung jedes chemischen Stoffes mithilfe einer Reihe von Codes beschrieben werden, die als System der Verwendungsdeskriptoren bezeichnet wird. Jeder Produkttyp kann mehrere Verwendungsdeskriptoren haben, die verschiedene Phasen des Lebenszyklus repräsentieren. Dies ist ein gemeinsamer Rahmen, der die Harmonisierung der Kommunikation zur Verwendung in allen Lieferketten, inklusive der Lieferkette bei den Schmierstoffen, ermöglicht. Die Codes werden in eine Reihe von Kategorien unterteilt:

„Sector of use“, SU: Verwendungssektor: Beschreibt den hauptsächlichen Verwendungsbereich (verarbeitende Industrie, privater Gebrauch etc.) und die Art der Industrie (z. B. groß angelegte Chemie-Industrie)

„Product Category“, PC Produktkategorie: Beschreibt den Produkttyp (z. B. Hydraulikflüssigkeit, Metallbearbeitungsflüssigkeit etc.)

„Process Category“, PROC Verfahrenskategorien: Beschreibt, wie ein Stoff verwendet wird (z. B. Sprühen, Auftragen durch Streichen etc.)

„Environmental Release Category“, ERC Umweltfreisetzungskategorien: Beschreibt die Bedingungen der Umweltexpositionen in Verbindung mit den PC- und PROC-Codes

AC Erzeugniskategorien: Beschreibt die Art des Erzeugnisses, zu dem der Stoff schließlich verarbeitet wurde. Es ist unwahrscheinlich, dass dies auf formulierte Schmiermittel zutrifft.

Das ATIEL/ATC-Konzept

Zwei Unternehmensgruppen, die die Schmierstoffindustrie repräsentieren (ATIEL für die Schmierstoffindustrie und ATC für die Additivindustrie) , haben mehrere hundert Schmierstoffanwendungen herausgearbeitet und jede von ihnen einer übergreifenden Schmierstoffverwendungsgruppe (Lubricant Use Group) zugeordnet, je nachdem wie die Produkte im Allgemeinen verwendet werden (d. h. ihr Expositionsprofil).

Diesen übergreifenden Schmierstoffverwendungsgruppen wurden dann Verwendungsdeskriptoren zugeteilt, so dass die unterschiedlichen Schmierstoffanwendungen mit einer begrenzten Anzahl von Verwendungsdeskriptoren beschrieben werden können. Dies ermöglicht eine einfache und konsistente Kommunikation zur Verwendung in der Lieferkette.

Es gibt insgesamt 6 Verwendungsdeskriptoren (A-F), die jeweils andere Kombinationen von PCs PROCs, SUs etc. beinhalten und die verschiedenen Schmierstoffanwendungen beschreiben:

  • A: Schmierstoffherstellung
  • B: Allgemeine Verwendung in geschlossenen Systemen (z. B. Getriebe- und Hydrauliköle)
  • C: Verwendung mittels Sprühen, Tauchen, Auftragen etc. (z. B. Korrosionsschutzmittel, Umformöle)
  • D: Verwendung in offenen Systemen und hohen Temperaturen (z. B. Abschrecköle)
  • E: Handhaben und Anmischen von Kühlschmierstoffen (KSS)
  • F: Verwendung in offen Systemen und möglicher Verwirbelung (z. B. KSS).

Für diese Schmierstoffverwendungsgruppen werden Allgemeine Expositionsszenarien (GES) entwickelt, um zu vermeiden, dass die Industrie ein neues ES für jede einzelne der identifizierten Schmierstoffverwendungen entwickeln muss.

Im einfachsten Fall wird der Additiv- bzw. Grundölhersteller für alle Szenarien (A-F) jeweils das GES vorhalten und es an die Schmierstoffhersteller weitergeben. Diese müssen dann lediglich (je nach Schmierstofftyp) die relevanten GES für die Anwender zusammenfassen, was auf Grund der geringen Zahl an GES relativ einfach sein dürfte, so dass es auch für Schmierstoffe recht bald „Standardexpositionsszenarien“ geben dürfte.

Beim Inhalt der „Standardexpositionsszenarien“ für Schmierstoffe gibt es kaum Überraschungen. Die schon früher oft empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen, wie das bekannte „Handschuhe tragen“ und evtl. „Schutzbrille tragen“ bzw. „für ausreichende Lüftung sorgen“ stehen weiterhin im Sicherheitsdatenblatt. Der Unterschied besteht in der durch REACH erzwungenen wissenschaftlichen Begründung, warum denn nun Handschuhe zu tragen sind.

Links zu REACH:

http://www.reach-helpdesk.info/

http://www.baua.de/de/Chemikaliengesetz-Biozidverfahren/REACH-Helpdesk/REACH.html

www.reach-konferenz.de

www.reach-info.de

http://www.atiel.org/reach/introduction (speziell für Schmierstoffe)

Europäische Chemikalienagentur (ECHA):

http://ec.europa.eu/echa/home_de.html

 

 

Zwischenbilanz zu REACH

Unter dem Aspekt der Prävention hat das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV einen Artikel veröffentlicht, der unter der Überschrift „Eine Bilanz aus Sicht des Arbeitsschutzes“ die Ziele und daraus resultierende Aufgaben von REACH 5 Jahre nach Inkrafttreten analysiert.

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