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Schmierstoffpreis und Ölpreis

Rohstoffe beleiben teuer Auf den internationalen Rohstoffmärkten werden die Preise hoch bleiben. Dies gilt nicht nur für Rohöl. Die Rohölpreise haben indes nur bedingt Einfluß auf die Preise für Schmierstoffe und Schmierfette.

Nicht nur Öl, auch viele andere Rohstoffe haben in der letzten Zeit einen kräftigen Preissprung verzeichnet. Zahlreiche Experten glauben an eine Fortsetzung des Trends. Der Kurssprung bei Metallen, Öl und Gas war extrem hoch in den letzten Jahren. Nach dem starken Anstieg zweifeln mittlerweile allerdings immer mehr Beobachter daran, dass sich der Trend noch lange ungebrochen fortsetzen kann: „Weiterer Preisanstieg oder abrupter Abschwung?“, lautet zugespitzt die Frage, vor der Händler, Volkswirte und nicht zuletzt Schmierstoffhersteller (als wichtiger Rohstoffkunde) stehen. Die Rohstoffexperten sind sich einig, die Perspektiven eindeutig: sicher ist, dass der Preisauftrieb an den Rohstoffmärkten noch eine Weile anhält. Die Argumente für einen Superzyklus sind überzeugend. Mit der Industrialisierung Chinas und Indiens sind zwei riesige neue Märkte entstanden. Der sprunghafte Anstieg der Nachfrage trifft auf ein stagnierendes Angebot, da viele Rohstofflieferanten in der zurückliegenden Dekade nur zögernd investierten. Die zunehmende Urbanisierung der Schwellenländer (vor allem in Asien und Südamerika) erhöhen auf lange Sicht den Rohstoffbedarf spürbar. Prognosen der Vereinten Nationen zufolge sollen im Jahr 2007 erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land wohnen. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt tatsächlich, wie stark sich eine zunehmende Verstädterung auf den Rohstoffmarkt auswirkt: Als die Bevölkerung in Japans Großstädten zwischen 1950 und 1970 um rund 70 Prozent wuchs, nahm der Stahlverbrauch des Landes im gleichen Zeitraum um 800 Prozent zu. Diese Entwicklung könnte sich nun wiederholen: In Indien, China und Indonesien soll es bis 2020 bis zu 550 Millionen neue Stadtbewohner geben. Angesichts dieser Perspektiven schrauben viele Rohstoffexperten ihre Erwartungen immer weiter nach oben. Beispiel Öl: Eine Investmentbank überraschte schon im Frühjahr 2006 die Märkte, als sie das Band ihrer Preisprognose für Rohöl auf bis zu 105 Dollar je Fass (159 Liter) ausdehnte. Und das Hamburgische WeltWirtschaftsArchiv (HWWA) entwarf in einer gemeinsamen Studie mit einer Hamburger Bank ein Szenario, wonach die erhöhte Energienachfrage zu Ölpreisen von 120 bis 180 Dollar je Fass im Jahr 2030 führen könnte. Denn der wachsende Bedarf trifft auf ein bestenfalls stagnierendes Angebot, so dass sich die Kluft zur Nachfrage in den nächsten Jahren stetig vergrößern dürfte. Diese Tendenz ist bereits erkennbar: Während die freien Kapazitäten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) in jüngster Zeit gesunken sind, rechnet das Institute of Economic Affairs allein in diesem Jahr mit einem weltweiten Nachfrageanstieg um knapp 2 Prozent. Verstärkt wird die akute Knappheit durch Produktionsunterbrechungen. Wie sensibel der Ölmarkt auf drohende Engpässe reagiert, zeigten etwa die Preisentwicklungen im September 2005, als die Wirbelstürme „Katrina“ und „Rita“ in Amerika immense Schäden auch an Ölraffinerien verursachten. Jedenfalls kann es Jahre dauern, bis neue Förderkapazitäten, Raffineriekapazitäten und Transportkapazitäten bereit stehen. Selbst wenn jetzt neue Tankschiffe, Raffinerien und Förderanlagen bestellt werden, werden diese in frühestens fünf Jahren in Betrieb gehen bzw. geliefert werden. Daüber hinaus kann nicht jede Raffinerie jede Art von Rohöl verarbeiten, diese sind vielmehr auf bestimmte Qualitäten spezialisiert; der Ausfall einer Rohölquelle z.B. durch Krieg oder Anschläge kann so nicht ohne weiteres durch Lieferung einer anderen Rohölqualität kompensiert werden. Eine steigende Nachfrage bei knappem Angebot: Für die Ölgesellschaften bedeutet dies kräftig sprudelnde Erträge. Dennoch scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Gemessen an der Kaufkraft, liegen die heutigen Ölnotierungen immer noch deutlich unter denen zu Anfang der 80er Jahre. Daher besteht weiteres Potenzial nach oben. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation, kostete der fossile Brennstoff zwischen 1979 und 1982 zwischen 60 und 80 Dollar. Allerdings werden die großen Ölkonzerne auch erhebliche Mittel aufwenden müssen, um neue Lagerstätten (Teersande, Tiefseevorkommen) nutzbar zu machen. Die gegenwärtig hohen Ölpreise sind in Europa sogar noch vergleichsweise niedrig, da der hohe Kurs des Euro einen Teil der gestiegenen Rohstoffkosten (hier: Öl) abgefedert hat. Ein fallender Eurokurs kann die Preise noch weiter nach oben treiben. Ein steigender Dollar könnte also Rohstoffe weiter verteuert, ohne das andere Faktoren wie Nachfrage etc. sich ändern. Allerdings wird dies in naher Zukunft nicht erwartet, trotz höherer Zinsen in den USA. Als Grund wird vielfach das enorme Aussenhandelsdefizit der USA genannt. In USD gerechnet befinden wir uns in einem 24Jahrsehoch. Dem Preisaufschwung liegt ein Angebots / Nachfragedefizit zu Grunde. Wie breitgefächert der Preisaufschwung ist, zeigt sich auch daran, daß neben dem CRBIndex auch andere RohstoffIndizes munter steigen. So ist der Energielastigere Goldman Sachs Commodity Index getragen vom anziehenden Ölpreis um 28 Prozent gestiegen. Deutlich im Aufwind befindet sich bekanntlich auch seit langem der Ölpreis. Das ist auch wenig verwunderlich, hat die Internationale Energieagentur doch bis auf drei Ausnahmen in allen Monaten seit November 2003 über eine steigende Nachfrage berichtet. Alleine in China werden Jahr für Jahr bis zu 10 Prozent mehr Öl konsumiert. Noch gar nicht berücksichtigt werden hier politische Faktoren, wie z.B. die Lage im Iran. Die größer werdende Unsicherheit der politischen Verhältnisse im Nahen Osten und auch in Rußland wird zu einem immer stärkeren Anteil in die Ölpreise einfließen und auch die Spekulation anheizen. Auch in anderen Bereichen macht sich der große Appetit der Chinesen auf Rohstoffe bemerkbar: laut Statistik, wo hat China Amerika schon im Jahr 2002 als weltweit größtes Nachfrageland nach Rohstoffen vom ersten Platz verdrängt hat. Zusätzlich mischen die Spekulanten intensiv mit. Knappes Angebot und hohe Preise haben schon immer zu Spekulationen geführt. Insbesondere beim Öl ist das aber ein neues Phänomen. Vor diesem Hintergrund überrascht die folgende Aussage nicht: „Nachdem es in den vergangenen 15 bis 20 Jahren versäumt wurde, ausreichend in den Kapazitätsausbau im Rohstoffsektor zu investieren, und sich dieser Sachverhalt nun durch die starke Nachfrage von Seiten neuer Konsumenten wie etwa aus China oder Indien rächt, bleiben wir weiter eindeutig Fürsprecher für Anlagen in Rohstoffen”, sagt ein bei Preservation Capital Management LLC. tätige Fondsmanager. Auch Hedge Fonds und andere Spekulanten haben den Rohstoffsektor natürlich längst als neue Spielwiese entdeckt. Der „Spekulationsanteil“ am gegenwärtigen Ölpreis wird auf bis zu 20 USD geschätzt. Ein Wert, der sich in Zukunft sicher nicht verringern dürfte, wenn die Nachfrage nicht drastisch sinkt (warum sollte sie das?) und Fördermengen, Raffinerie und Transportkapazitäten nicht drastisch steigen oder die Nachfrage beständig zurückgeht.

Wir haben es also mit einer Reihe von Faktoren zu tun, die den Ölpreis und den Schmierstoffpreis beeinflussen:
  1. Geringe Rohölverfügbarkeit:
  • Geringere Förderung durch Kriege, Anschläge (Nigeria, Irak)
  • z.T. veraltete Ausrüstung (Investitionsstau durch geringe Ölpreise in den vergangenen Jahrzehnten, Verluste durch marode Pipelines)
  • Begrenzte Förderkapazität
  1. Verringerte Verarbeitungskapazitäten
  • Stilllegung von Raffinerien und Verarbeitungskapazität (in Europa ca. 1050kT/a)
  • Durch Stürme (Katrina) z.T. noch nicht wiederhergestellte Anlagen
  • Fehlende Rohölqualitäten aus Krisenregionen können nicht ohne weiteres durch andere Qualitäten ersetzt werden (Raffinerien müssen auf dies abgestimmt werden).
  • Unplanmäßige Anlagenstilllegungen (Brände)
  1. Neue Grundölqualtitäten brauche neue Anlagen
  • Lange Genehmigungsverfahren
  • wichtige Schmierstoffkomponenten (z.B. Brightstock, ein dickflüssiges Rückstandsöl) werden zu Kraftstoff verarbeitet (höhere Gewinne/Margen!)
  1. Marktverschiebung
  • USA und China konsumieren weit mehr Treibstoff und Schmierstoffe/Grundöle als sie selbst herstellen. Die Märkte werden daher mit Produkten aus Europa bedient, was zu steigenden Preisen führt.
  1. weiter Einflußfaktoren
  • wachsender Bedarf an Diesel: Rohöl wird zu Diesel verarbeitet statt zu Schmierstoff
  • Spekulation

Darüber hinaus folgt der Grundölpreis dem Rohölpreis mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis Monaten, da die Verarbeitung von Rohöl recht lange dauern kann. Auch aus diesem Grund bevorzugen einige Raffinerien die Produktion von Treibstoff an Stelle von Grundölen (Raffinerien können aus Rohöl beides oder aber auch nur Treibstoff machen!), da hier Preisschwankungen auf der Rohstoffseite schneller weitergegeben werden können

Moderne Schmierstoffe nur zu einem Teil (40%-95%) aus Grundölen, der Rest sind Additive. Die Produktkosten hängen also nur zum Teil von den Rohölkosten ab. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Einflußfaktoren:

  1. Additive:
  • Entwicklungskosten
  • Kosten für chemische Komponenten
  • Transport- und Gebindekosten
  • Umweltschutz und Chemikaliensicherheit (REACH)
  1. Gebinde
  • Stahl- bzw. Kunstoffpreis
  • Fracht
  • Design/Etikett
  1. Arbeit:
  • Personalkosten
  • Energiekosten
  • Steuern
  • Kosten für Hilfsstoffe (Reiniger etc.)
  • Forschung und Entwicklung
  1. Grundöl
  • Verfügbarkeit
  • Strategie der Hersteller
  • Verarbeitung/Qualität
  • Märkte/Bedarf
  • Börse
  1. Sonstiges
  • Fracht/Maut

Wie bei vielen anderen Produkten, deren Rohstoff Erdöl ist, hängt der Produktpreis also nur zu einem gewissen Anteil von Erdölpreis ab, auch wenn das bei Schmierstoffen nicht unmittelbar einleuchtet. Bei Kunststoff- oder Düngermittelpreisen z.B. würde auch ein unmittelbarer Zusammenhang zum Rohölpreis nicht ersichtlich, obwohl Rohöl hier der wichtigste Grundstoff ist.